
artist: Leon Albert
album: 24 Präludien für den erweiterten Bekanntenkreis
format: CD, digital, sheet music, video
label: T3 Records
publisher: Acoustic Music Books
release: 18.11.2022
stream album (click)
order CD (click)
order sheet music (click)
Nach dem 2019 veröffentlichten Debüt Bizarre Akustische Erscheinungen legt der Gitarrist und Komponist Leon Albert ein lange und sorgfältig geplantes Konzeptalbum nach:
24 Präludien für den erweiterten Bekanntenkreis ist eine Reise durch alle Dur- und Molltonarten, aber auch eine Sammlung gefühlvoller Miniaturen, die trotz ihrer Kürze viel emotionale Tiefe in sich tragen.
Dur und Moll gehören wie Paare zusammen, was schon die Titel verraten, aber auch die Musik. Viele kompositorische Elemente werden an späterer Stelle erneut aufgegriffen, noch einmal anders interpretiert, weitergeführt und in unterschiedlichste Stimmungen eingebettet. Die sich dadurch ergebende Sogwirkung lässt die 42 Minuten wie im Flug durchleben, obwohl der Klang in typischer Leon-Albert-Manier ganz konstant und konsequent bleibt: Ein Künstler, ein Instrument, ein Sound. Schlichtheit und Ehrlichkeit sind die Grundprinzipien des Soloprojekts. Zusätzlich zum Audioformat auf CD und digital wird die Edition neuer zeitgenössischer Spiel-Literatur für klassische Gitarre auch als Notenbuch und in Form von 24 Videos veröffentlicht. Mit dieser breit angelegten Strategie will Albert sein Werk allen, die sich schon jetzt für das Genre Contemporary Guitar begeistern oder es bald werden, auf drei ganz unterschiedlichen Ebenen näher bringen.
Die neuen Kompositionen bewegen sich etwas weiter in klassische Gefilde als die früheren, sodass noch weniger herauszuhören ist, dass der Autor auch Jazz studiert hat. Es scheint als sei das für ihn stimmigste Zusammenspiel der beiden Stile nun gefunden. Die Präludien Nummer fünf und sechs – Alte Bekannte und Sonore Wandbehänge – muten beispielsweise wie inspiriert von Claude Debussy und Erik Satie an und erzeugen durch die Kraft der Ruhe eine besonders stimmungsvolle, fast majestätische Energie. Nummer zehn (Pyramide) und 22 (Überbau) hingegen – hier entsteht durch die Titelwahl ein Querverweis – bieten Abwechslung durch den Anklang von Minimal und Alternative. Sie demonstrieren außerdem, wie viele rhythmische Ebenen gleichzeitig auf dem Soloinstrument spielbar sind. Stets kurzweilig bleibt es zudem durch die gleichmäßige Verteilung der etwas virtuoseren Stücke. Zwischen diesen kommen die getrageneren Episoden hingegen umso intensiver zur Geltung und wissen in kurzer Zeit große Geschichten zu erzählen. Mit wohl bemessener Dramatik schließt sich der Kreis aus ein- bis dreiminütigen Tracks mit den Präludien Nr. 23 (Erinnerung) und 24 (Vision). Viele Gedanken aus dem Zyklus werden noch einmal aufgearbeitet und in ein anderes, düster-süßliches Licht gerückt, bevor das Werk in einer stürmischen und hoffnungsvollen Klimax endet. Zugleich fehlt es nicht an einer gesunden Prise albertscher Dissonanz.
Das Ende ist in gewisser Weise auch der Anfang, bzw. war der Anfang das eigentliche Ende der kompositorischen Reise: Leon Albert schrieb ganz bewusst zu aller erst das dritte Präludium in G-Dur (Entspannung), um von dort aus entlang des Quintenzirkels bis zum 24. zu wandern und danach abschließend – voller neu gesammelter Erfahrung – den Beginn seines Konzeptalbums in C-Dur und C-Moll zu formen. Die Träumerei mit ihrer tänzerischen Polyphonie und das rasch folgende Präludium Nr. 2: Realität mit seiner rührenden bis sehnsüchtigen Traurigkeit bilden gemeinsam einen starken Einstieg und eine nicht zu verschmähende Einladung in den erweiterten Bekanntenkreis.
Am 18.11.2022 erschienen die 24 Präludien für den erweiterten Bekanntenkreis beim Berliner Label T3 Records auf CD und digital, im Verlag Acoustic Music Books als Notenausgabe und schon ab dem 04.11.2022 auf Youtube als wöchentliche Videoreihe.
debut album

artist: Leon Albert
album: Bizarre Akustische Erscheinungen
format: CD, digital
label: barteltmusic
release: 08.03.2019
Skurrilität bereits durch den Titel eines Werkes auszudrücken ist für Leon Albert längst Teil seiner künstlerischen Persönlichkeit geworden. Daher heißt sein erstes Solo-Album ganz selbstverständlich Bizarre Akustische Erscheinungen.
Mit dieser selbstironischen Bezeichnung für seine eigenen Kompositionen persifliert der Gitarrist alle Bestrebungen, seine Musik einer gängigen Sparte zuzuordnen. Sein vorheriger Benennungsversuch, „Weit durch das Genre-Universum gereiste Astronauten mit ungewisser Herkunft“, war ihm dann doch etwas zu sperrig. Alles andere als sperrig hingegen ist das reduzierte Grundkonzept der CD:
Ein Künstler, ein Instrument, ein Sound. Keine Overdubs.
Diesen Vorgaben folgend erweisen sich die geschmeidigen 36 Minuten als ein sehr ehrliches und persönliches Solodebüt, das vor allem durch seine formale Schlichtheit überzeugt. Mit bildhaften Miniaturen aus dem Zyklus Kleine unterhaltsame Köstlichkeiten für einen Hotel-Bar Gitarristen im Wechsel mit bis zu 6 minütigen Fantasien bleiben die Erscheinungen trotz des durch alle 12 Tracks konsequenten Klangs kurzweilig und abwechslungsreich.
Mit Präludium ohne Fuge zeigt Leon Albert gleich zu Beginn, dass die Kraft in der Ruhe liegen kann und gewährt ein sanftes Eintauchen in den schlichten und ergreifenden Gitarrensound des Albums. Virtuosere Momente bietet später u.a. Knight of Nervosa, während in Winter der Welt oder auch Grüne Bohnen musikalische Gegensätze wie bitonale Strukturen und lateinamerikanische Rhythmen einander gegenübergestellt, miteinander kombiniert und aufgelöst werden. Mild gewürzt wird all dies hier und da durch balladeske sowie meditative Kompositionen und ein paar Albernheiten, die z.B. bei Der verlorengegangene Terminkalender (zum Glück schon im Januar) zwischen den Zeilen zu lesen und hören sind. Den Reiz von gegensätzlicher und intentionaler Verdrehung beweist zudem der letzte Titel The First Step. Dadurch verschreibt sich nicht nur das Werk Bizarre Akustische Erscheinungen, sondern auch dieser Pressetext letztlich dem zuerst vermittelten Eindruck: der Skurrilität.
stream, follow, subscribe, like and share:
LINKTREE (click)